Das Alter des Dachs bestimmt die Reihenfolge
Eine Photovoltaikanlage läuft nach Angaben des Umweltbundesamts 25 bis 30 Jahre. Hält Ihr Dach so lange nicht, müssen die Module für die Sanierung wieder herunter, obwohl sie noch funktionieren. Deshalb steht vor jeder Montage die Frage, wie alt die Eindeckung ist und in welchem Zustand sie ist. Die Größe der Anlage kommt erst danach.
Als Faustregel gilt: Hält das Dach voraussichtlich noch mehr als 25 Jahre, montieren Sie direkt. Zwischen 20 und 25 Jahren lohnt es sich, Sanierung und Montage gemeinsam zu planen. Hält das Dach weniger als 20 Jahre, sanieren Sie fast immer besser zuerst. Wie Sie die restlichen Jahre Ihres Dachs schätzen, zeigt der Artikel wie lange ein Dach hält.
| So lange hält das Dach noch | Empfohlene Reihenfolge | Warum |
|---|---|---|
| Über 25 Jahre | Module direkt montieren | Das Dach übersteht die ganze Laufzeit der Anlage. |
| 20 bis 25 Jahre | Gemeinsame Planung prüfen | Grauzone, der Einzelfall entscheidet. |
| Unter 20 Jahre | Erst sanieren, dann montieren | Sonst müssen die Module vor dem Ende ihrer Laufzeit herunter. |
Was der Abbau der Photovoltaik später kostet
Muss eine Anlage für die Dachsanierung ab- und später wieder aufgebaut werden, kostet das nach Angaben von reduco.ai 150 bis 250 Euro pro Kilowatt. Gemeint ist die Spitzenleistung der Anlage, die übliche Größenangabe. Bei einer typischen Anlage mit 8 Kilowatt auf einem Einfamilienhaus sind das rund 1.200 bis 2.000 Euro. Gerüst und Elektriker für den neuen Anschluss kommen noch dazu.
Diese Arbeit darf nur ein Solarteur oder ein Fachbetrieb für Photovoltaik machen, nicht der Dachdecker. Die Module sind elektrisch angeschlossen. Baut der Dachdecker sie trotzdem ab, riskieren Sie die Garantie der Module, die Gewährleistung und Schäden an Modulen und Kabeln.
Sie haben dann zwei Rechnungen und zwei Ansprechpartner. Der Solarteur baut ab, der Dachdecker saniert, und danach baut der Solarteur wieder auf. Fragen Sie deshalb schon beim ersten Angebot für die Anlage, ob derselbe Betrieb einen späteren Abbau übernimmt und was er kostet. Warten Sie damit nicht, bis das Dach undicht ist und die Zeit für einen Vergleich fehlt.
Löst eine Photovoltaikanlage die Pflicht zur Dämmung aus?
Nein, eine Photovoltaikanlage auf einem unveränderten Dach löst keine Pflicht zur Dämmung aus. Die Pflicht hängt daran, ob das Dach selbst erneuert wird, also Latten und Ziegel. Module auf einer vorhandenen Eindeckung zählen nicht dazu. Lassen Sie dagegen im selben Zug mehr als 10 Prozent der Dachfläche neu eindecken, müssen Sie dämmen, egal ob eine Anlage daraufkommt.
Daraus ergeben sich zwei verschiedene Rechnungen. Wer Module auf ein heiles Dach setzt, zahlt nichts für eine Dämmung. Wer ohnehin neu eindecken und damit dämmen muss, plant die Anlage am besten gleich mit, weil sich Gerüst und Arbeitszeit dann teilen. Wie gut die Dämmung sein muss und welchen Zuschuss es gibt, erklärt der Artikel zur Dämmpflicht und Förderung beim Dach.
Ein Beispiel zeigt den Unterschied. Ein Eigentümer hat ein 20 Jahre altes, dichtes Ziegeldach und setzt eine Anlage mit 8 Kilowatt direkt darauf. Er muss nicht dämmen, weil kein Quadratmeter Dach erneuert wird. Sein Nachbar hat ein gleich altes, aber undichtes Dach und lässt es im selben Zug neu decken. Er muss dämmen, bezahlt Gerüst und Montage aber nur einmal für beides.
Hält Ihr Dach voraussichtlich weniger als 20 Jahre?
Sanieren Sie zuerst das Dach. Planen Sie die Photovoltaikanlage gleich mit, damit das Gerüst nur einmal steht.
Hält es noch 20 bis 25 Jahre?
Lassen Sie den Zustand von einem Dachdecker einschätzen. In dieser Grauzone lohnt sich die gemeinsame Planung oft trotzdem.
Montieren Sie die Module direkt auf das vorhandene Dach. Es übersteht voraussichtlich die ganze Laufzeit der Anlage.
Was der Dachdecker vor der Montage prüft
Vor jeder Montage lohnt eine gründliche Prüfung des Dachs, damit Ihre Entscheidung auf mehr beruht als einer Schätzung. Der Dachdecker prüft dabei neben den Ziegeln auch die Folie darunter. Außerdem klärt er, ob der Dachstuhl das zusätzliche Gewicht von Modulen und Gestell tragen kann.
- Risse, Moos und lockere Ziegel zeigen, dass das Dach kürzer hält, als das Baujahr vermuten lässt.
- Module, Gestell und im Winter der Schnee drücken zusätzlich auf den Dachstuhl.
- Nur wenig verschattete Flächen nach Süden oder Südwesten kommen gut für Module infrage.
- Ein alter Zählerschrank oder alte Leitungen im Haus können den Anschluss der Anlage verteuern.
- Ermitteln Sie Baujahr und Material der Eindeckung und vergleichen Sie beides mit der üblichen Lebensdauer.
- Lassen Sie den Dachstuhl auf Feuchte, Schädlinge und genug Tragkraft für die Module prüfen.
- Lassen Sie Latten und die Folie unter den Ziegeln ansehen, weil sie unter den Modulen später schwer erreichbar sind.
- Schätzen Sie grob, wie viele Jahre das Dach noch hält, und vergleichen Sie das mit der Grenze von 20 Jahren.
- Hält das Dach weniger als 20 Jahre, holen Sie ein gemeinsames Angebot für Sanierung und Anlage ein, nicht zwei getrennte.
Asbest und Denkmalschutz ändern die Reihenfolge
Auf ein Dach aus Asbestzement darf keine Photovoltaikanlage montiert werden. Solche Platten aus Faserzement wurden bis in die frühen 1990er Jahre verbaut und sehen von außen kaum anders aus als ihre asbestfreien Nachfolger. Eine Fachfirma mit Sondergenehmigung muss das alte Dach erst entfernen, entsorgen und durch ein neues ersetzen. Beim Bohren für die Halterungen würden sonst krebserregende Fasern frei.
Ob Ihr Dach betroffen ist, erkennt ein Fachbetrieb meist an der Kennzeichnung des Herstellers oder an einer Materialprobe. Lassen Sie das klären, bevor jemand ein Angebot für die Anlage schreibt. Die Prüfung kostet wenig und verhindert, dass ein Solarteur ahnungslos in Asbest bohrt.
Steht Ihr Haus unter Denkmalschutz, braucht jede Photovoltaikanlage eine Genehmigung der Denkmalbehörde. Die Anlage muss sich optisch in das Haus einfügen. In beiden Fällen gibt eine Vorschrift die Reihenfolge vor, egal wie alt das Dach ist.
Häufige Fragen
Soll ich mein Dach vor einer Photovoltaikanlage sanieren?
Ja, sanieren Sie Ihr Dach vor einer Photovoltaikanlage, wenn es voraussichtlich weniger als 20 Jahre hält. Die Anlage läuft 25 bis 30 Jahre und müsste sonst für die Sanierung wieder herunter. Das kostet Geld, das Sie mit der richtigen Reihenfolge sparen.
Was kostet es, eine Photovoltaikanlage für die Dachsanierung abzubauen?
Der Ab- und Wiederaufbau einer Photovoltaikanlage für die Dachsanierung kostet 150 bis 250 Euro pro Kilowatt Leistung. Bei einer üblichen Anlage mit 8 Kilowatt auf einem Einfamilienhaus sind das rund 1.200 bis 2.000 Euro. Gerüst und Elektriker kommen noch dazu.
Muss ich wegen einer Photovoltaikanlage mein Dach dämmen?
Nein, eine Photovoltaikanlage auf einem unveränderten Dach löst keine Pflicht zur Dämmung aus. Die Pflicht entsteht erst, wenn im selben Zug mehr als 10 Prozent der Dachfläche neu eingedeckt werden. Dann gilt sie unabhängig von der Anlage.
Darf der Dachdecker meine Photovoltaikanlage abbauen?
Nein, eine Photovoltaikanlage darf nur ein Solarteur oder ein Fachbetrieb für Photovoltaik ab- und wieder aufbauen. Die Module sind elektrisch angeschlossen. Baut der Dachdecker sie ab, riskieren Sie die Garantie der Module und die Gewährleistung.
Darf eine Photovoltaikanlage auf ein Asbestdach?
Nein, auf ein Dach aus Asbestzement darf keine Photovoltaikanlage montiert werden. Eine Fachfirma muss das Asbestdach vorher entfernen, entsorgen und durch ein neues Dach ersetzen. Beim Bohren für die Halterungen würden sonst krebserregende Fasern frei.
