Woran erkennen Sie Schädlinge im Dachstuhl?
Der Dachstuhl ist das Gerüst aus Holzbalken, das Ihr Dach trägt. Zwei Insekten kommen dort besonders häufig vor. Der Gemeine Nagekäfer, oft Holzwurm genannt, hinterlässt kleine runde Löcher von 1 bis 2 Millimetern und feines helles Bohrmehl unter den Balken. Der Hausbock bohrt ovale Löcher mit ausgefransten Rändern. Bei ihm ist besondere Vorsicht nötig, weil seine Larven tragende Balken von innen aushöhlen.
Beim Hausbock fehlt das Bohrmehl oft, denn die Larven lassen es in ihren Gängen liegen. Außen bleibt eine dünne Holzschicht stehen, und der Balken sieht noch gesund aus. Die Käfer legen ihre Eier in feine Risse von Nadelholz. Ihre Larven fressen dann 4 bis 18 Jahre im Holz, im Schnitt 5 bis 6 Jahre, bevor sie als Käfer ausfliegen. Ein recht sicheres Zeichen sind leise Fraßgeräusche, die Sie in ruhigen Momenten hören können.
Weiche Stellen, die beim vorsichtigen Klopfen hohl klingen, deuten auf fortgeschrittenen Befall oder Fäulnis hin. Muffiger Geruch und Schimmel zeigen Feuchtigkeit an. Dann kann auch der Echte Hausschwamm im Spiel sein, ein Pilz, der in feuchten Häusern Holz zerstört.
| Warnzeichen | Wahrscheinliche Ursache | Was Sie tun sollten |
|---|---|---|
| Feines helles Bohrmehl | Nagekäfer, oft Holzwurm genannt | Fotografieren, eine kleine Stelle säubern und nach einigen Tagen oder Wochen nachsehen |
| Kleine runde Löcher, 1 bis 2 Millimeter | Nagekäfer | Beobachten, ob neues Bohrmehl nachkommt |
| Ovale Löcher mit ausgefransten Rändern | Hausbock | Tragende Balken vom Fachbetrieb prüfen lassen |
| Weiche, hohl klingende Stellen | Fortgeschrittener Befall oder Fäulnis | Nicht hineinstechen, einen Fachbetrieb rufen |
| Muffiger Geruch, Schimmelspuren | Feuchtigkeit, möglicher Hausschwamm | Die Ursache der Feuchte suchen lassen, bevor repariert wird |
Meldepflicht gilt nur in Sachsen und Thüringen
In den meisten Bundesländern müssen Sie einen Hausbock oder Echten Hausschwamm nicht melden. Fachgerecht bekämpfen lassen müssen Sie den Befall aber überall. Sachsen und Thüringen sind die Ausnahme. Dort gibt es eine Meldepflicht bei der Bauaufsicht, also beim Bauamt.
- In Sachsen beauftragen Sie bei Hausbock oder Echtem Hausschwamm sofort eine Fachfirma, die nach der Einschätzung eines Sachverständigen arbeitet. Dem Bauamt melden Sie schriftlich den Auftrag und später das Ende der Arbeiten.
- In Thüringen gilt die Meldepflicht für den Echten Hausschwamm und für den Hausbock.
- In allen anderen Bundesländern gibt es keine Meldepflicht. Bekämpft werden muss der Befall trotzdem.
- Bei der Bekämpfung kommen bauliche Maßnahmen vor Chemie. So sehen es die technischen Regeln für den Holzschutz vor.
Wie ein Fachbetrieb den Schaden am Dachstuhl prüft
Nach dem ersten Blick untersucht der Fachbetrieb die auffälligen Stellen genauer. Er klopft Balken ab, um hohle von gesunden Stellen zu unterscheiden, und misst die Feuchte im Holz. Sind tragende Balken betroffen, holt er einen Sachverständigen oder Fachbetrieb für Holzschutz dazu. Ob der Dachstuhl mehr Gewicht tragen kann, zeigt nur eine Berechnung durch einen Statiker.
- Der Fachbetrieb sieht sich den ganzen Dachstuhl an und fotografiert auffällige Stellen.
- Er klopft Sparren und Pfetten ab, also die schrägen und die waagrechten Balken, um hohle Stellen zu finden.
- Er misst an auffälligen Stellen die Feuchte im Holz, um alten von aktivem Befall zu unterscheiden.
- Bei tragenden Bauteilen zieht er einen Sachverständigen für Holzschutz hinzu.
- Am Ende schreibt er auf, ob repariert, verstärkt oder ausgetauscht werden muss.
Dieser schriftliche Befund ist mehr als Papier. Er ist die Grundlage für das Angebot der Zimmerei. Und er belegt, dass Sie den Schaden rechtzeitig und fachgerecht angegangen sind, falls später eine Versicherung oder ein Käufer danach fragt.
Wichtig ist die Reihenfolge der Maßnahmen. Zuerst sucht der Fachbetrieb die Ursache, etwa eine undichte Stelle im Dach oder einen schlecht belüfteten Dachraum, und beseitigt sie. Erst danach ergibt eine chemische Behandlung des gesunden Holzes überhaupt Sinn. Wer nur Holzschutzmittel aufträgt und die Feuchte lässt, bekommt den Befall an derselben Stelle bald zurück.
Wann reicht es, den Dachstuhl zu verstärken?
Sind nur einzelne Teile beschädigt, etwa ein fauler oder gebrochener Balken, ist eine Reparatur meist die günstigste Lösung. Der Zimmerer ersetzt den Balken durch einen gleich starken, und der Rest des Dachstuhls bleibt, wie er ist. Wird das Dach dagegen schwerer, braucht es eine Verstärkung, auch ohne Schädlinge. Das passiert bei schwereren Ziegeln, einer dicken Dämmung, einem Ausbau zu Wohnraum oder einer Photovoltaikanlage.
Eine Verstärkung kostet nach Angaben von Blummer je nach Umfang 30 bis 60 Prozent eines neuen Dachstuhls. Ein neuer Dachstuhl kostet 50 bis 80 Euro pro Quadratmeter, so das Preisportal 11880. Liegt der Aufwand für die Sanierung bei mehr als 60 bis 70 Prozent eines Neubaus, lohnt sich der komplette Austausch.
Verstärken heißt meist, dass der Zimmerer einen zweiten Balken neben den alten setzt oder neue Querbalken einzieht. Dazu kommen Verbinder aus Stahl, etwa Balkenschuhe, Gewindestangen oder lange Schrauben. Sie tragen zusätzliches Gewicht, ohne dass der Dachstuhl abgerissen wird. Ein kompletter Umbau wird nötig, wenn sich die Form des Dachs ändert, etwa durch neue Gauben. Das gilt auch, wenn große Teile nach einem Brand oder starkem Schädlingsbefall nicht mehr sicher tragen.
Sind nur einzelne, klar abgegrenzte Teile beschädigt?
Lassen Sie die beschädigten Teile gezielt austauschen. Das ist meist am günstigsten, und der übrige Dachstuhl bleibt.
Wird das Dach schwerer, etwa durch Dämmung oder Photovoltaik?
Dann braucht der Dachstuhl eine Verstärkung. Sie kostet meist 30 bis 60 Prozent eines neuen Dachstuhls.
Lassen Sie ausrechnen, was die Sanierung im Vergleich zum Neubau kostet. Ab 60 bis 70 Prozent lohnt meist der Austausch.
Den Dachstuhl gleich bei der Dachsanierung prüfen lassen
Ein beschädigter Dachstuhl wird meist im selben Zug geprüft und repariert wie das neue Dach. Der Dachdecker nimmt die alten Ziegel ohnehin ab, und dabei liegen die Sparren frei. Was eine Dachsanierung insgesamt kostet, zeigt der Artikel was eine Dachsanierung pro Quadratmeter kostet.
Planen Sie ein neues Dach, sollte die Prüfung des Dachstuhls schon im Angebot stehen. Sonst erleben Sie die Schäden erst während der Bauzeit als teure Überraschung. Ein Betrieb, der Dachdecker und Zimmerer unter einem Dach hat oder eng mit einer Zimmerei zusammenarbeitet, kann eine Verstärkung leichter in den Zeitplan einbauen.
Feuchte Stellen oder wiederholte Schäden am Dachstuhl zeigen oft auch, dass die Eindeckung am Ende ist. Woran Sie das erkennen, erklärt der Artikel wie lange ein Dach hält.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich einen Hausbock im Dachstuhl?
Einen Hausbock im Dachstuhl erkennen Sie an ovalen Löchern mit ausgefransten Rändern und an Balken, die beim Klopfen hohl klingen. Oft hören Sie auch leise Fraßgeräusche. Bohrmehl fehlt beim Hausbock häufig, weil die Larven es in ihren Gängen lassen.
Muss ich einen Hausbock im Dachstuhl dem Bauamt melden?
Einen Hausbock müssen Sie nur in Sachsen und Thüringen dem Bauamt melden. Dort gilt die Pflicht auch für den Echten Hausschwamm. In allen anderen Bundesländern gibt es keine Meldepflicht, bekämpfen lassen müssen Sie den Befall trotzdem.
Wann reicht es, den Dachstuhl zu verstärken, statt ihn zu erneuern?
Eine Verstärkung des Dachstuhls reicht, wenn die Schäden begrenzt sind oder nur das Gewicht steigt, etwa durch schwerere Ziegel, Dämmung oder eine Photovoltaikanlage. Sie kostet 30 bis 60 Prozent eines neuen Dachstuhls. Ab 60 bis 70 Prozent Aufwand lohnt sich meist der Austausch.
Was kostet ein neuer Dachstuhl?
Ein neuer Dachstuhl kostet 50 bis 80 Euro pro Quadratmeter. Diese Spanne nennt das Preisportal 11880. Eine Verstärkung kostet 30 bis 60 Prozent davon, eine Reparatur einzelner Balken meist noch weniger.
Wie prüft ein Fachbetrieb, ob der Dachstuhl geschädigt ist?
Ein Fachbetrieb prüft den Dachstuhl zuerst mit dem Auge und klopft die Balken ab, um hohle Stellen zu finden. Dazu misst er die Feuchte im Holz. Sind tragende Balken betroffen, holt er einen Sachverständigen für Holzschutz dazu.
