Ist der Kostenvoranschlag vom Dachdecker verbindlich?
Nein, ein Kostenvoranschlag bindet den Dachdecker nicht an den Preis. Er ist eine Schätzung, und der Endpreis darf davon abweichen. Beim Festpreis ist das anders. Den Betrag im Angebot muss der Betrieb halten, auch wenn er sich verrechnet hat. Sagt der Dachdecker ausdrücklich zu, dass sein Kostenvoranschlag stimmt, gilt dieser Preis ebenfalls fest. Auch ein Festpreis deckt aber nur die Arbeiten, die im Angebot stehen.
Wie weit der Endpreis abweichen darf, legt das Gesetz nicht fest. Die Verbraucherzentrale nennt eine Grenze von 15 bis 20 Prozent. Zeichnet sich eine größere Überschreitung ab, muss der Betrieb Sie sofort warnen. Mit der Rechnung ist es dafür zu spät.
Im Angebot begegnen Ihnen vier Preisformen. Sie unterscheiden sich darin, wer das Risiko trägt, wenn es teurer wird.
| So steht es im Angebot | Ist der Preis fest? | Wenn es teurer wird | Was Sie tun können |
|---|---|---|---|
| Kostenvoranschlag ohne Preisgarantie | Nein, es ist nur eine Schätzung | Ab etwa 15 bis 20 Prozent mehr muss der Betrieb Sie sofort warnen | Sie dürfen kündigen und zahlen nur die Arbeit, die schon gemacht ist, und seine Auslagen |
| Kostenvoranschlag mit Preisgarantie | Ja, der Betrieb steht für den Preis ein | Die Mehrkosten trägt der Betrieb | Sie zahlen den zugesagten Betrag |
| Festpreis oder Pauschalpreis | Ja, der ganze Betrag gilt | Mehr zahlen Sie nur für Arbeiten, die Sie zusätzlich bestellen | Der Preis darf nicht überschritten werden |
| Abrechnung nach Aufwand | Nein, es gelten Stundensatz und Materialpreise | Die Rechnung folgt den geleisteten Stunden und verbrauchten Mengen | Verlangen Sie einen Nachweis der Stunden und Mengen |
Was ein gutes Angebot vom Dachdecker enthält
Ein brauchbares Angebot nennt jede Arbeit mit Menge, Einheit und Einzelpreis. Nur so können Sie es prüfen und neben ein zweites legen. Eine Pauschale wie 28.000 Euro für ein neues Dach lässt sich mit nichts vergleichen. Fehlt eine Arbeit im Angebot, taucht sie später oft als zusätzlicher Posten auf der Rechnung auf. Prüfen Sie auch, ob alle benötigten Materialien darin stehen.
- Gerüst mit Standzeit in Wochen, Auf- und Abbau und dem Preis für jede weitere Woche
- Abdecken und Entsorgen der alten Ziegel in Tonnen oder Quadratmetern, bei Dächern von vor 1993 mit einem Vermerk zur Prüfung auf Asbest
- Die Folie unter den Ziegeln mit Produktname und die Holzlatten, auf denen die Ziegel liegen, mit ihrer Stärke
- Dämmung mit Material, Dicke in Zentimetern und U-Wert. Diese Zahl gibt an, wie viel Wärme durch das Dach verloren geht, je kleiner, desto besser
- Neue Ziegel oder Platten mit Hersteller, Modell, Farbe und Stückzahl je Quadratmeter
- Anschlüsse an Schornstein, Dachfenster, Gauben und Wände, dazu die Kanten am Giebel und am First
- Dachrinnen und Fallrohre mit Material und Länge in Metern
- Nebenkosten wie Anfahrt, Container, Baustrom und Baustellen-WC
- Zahlungsplan mit Teilzahlungen, Fälligkeit und Zahlungsziel
- Zeitraum der Arbeiten und, wenn gedämmt wird, die Zusage der schriftlichen Bestätigung über die Dämmung
Wird gedämmt, muss der Betrieb Ihnen nach Abschluss der Arbeiten sofort schriftlich bestätigen, dass die Dämmung die gesetzlichen Werte einhält. Diese Bestätigung heißt Unternehmererklärung. Das Gesetz verlangt, dass Sie sie mindestens zehn Jahre aufbewahren. Ein Betrieb, der sie schon im Angebot zusagt, kennt seine Pflichten.
Wie Sie Angebote von Dachdeckern vergleichen
Angebote lassen sich nur vergleichen, wenn alle Betriebe dasselbe anbieten. Legen Sie deshalb fest, was gemacht werden soll, bevor der erste Dachdecker aufs Dach steigt. Dann gehen Sie so vor.
- Schreiben Sie auf, was Sie wollen, etwa nur neu eindecken oder auch dämmen, neue Dachfenster oder neue Dachrinnen. Diese Liste bekommt jeder Betrieb.
- Lassen Sie jeden Betrieb das Dach vor Ort ansehen. Wer nur nach Fotos anbietet, kennt den Zustand der Balken nicht.
- Verlangen Sie ein Angebot mit Mengen und Einzelpreisen, keine Pauschale.
- Fragen Sie schriftlich, ob der Preis fest ist und was gilt, wenn nach dem Abdecken Schäden am Dachstuhl sichtbar werden.
- Prüfen Sie bei der Handwerkskammer, ob der Betrieb als Dachdecker eingetragen ist, und fragen Sie nach seiner Betriebshaftpflicht.
- Legen Sie die Angebote Position für Position nebeneinander. Fehlt bei einem Betrieb das Gerüst oder die Entsorgung, rechnen Sie den Betrag hinzu.
Vergleichen Sie nie nur die Endsummen. Fehlen Abriss, Entsorgung oder die Verlängerung des Gerüsts, kommen diese Kosten später dazu, und das billige Angebot wird am Ende teurer.
Das Angebot ist nur ein Schritt, wenn Sie einen Dachdeckermeister beauftragen. Davor prüfen Sie den Betrieb, danach folgen Vertrag, Zahlung und Abnahme.
Muss ich mehr zahlen als im Kostenvoranschlag?
Droht eine deutliche Überschreitung, muss der Dachdecker Sie warnen, sobald er die Mehrkosten erkennt. Dann dürfen Sie kündigen. Sie zahlen in diesem Fall nur die Arbeit, die schon gemacht ist, und die Auslagen des Betriebs.
Versäumt der Betrieb die Warnung, muss er Schadensersatz leisten. Sie müssen dann den Mehrbetrag nicht zahlen, den Sie mit einer rechtzeitigen Warnung vermieden hätten. Vielleicht hätten Sie die Arbeiten gestoppt oder einen anderen Betrieb beauftragt. Diesen Zusammenhang sollten Sie belegen können, etwa mit einem günstigeren Angebot aus derselben Zeit.
Stand im Angebot ein Festpreis oder eine Preisgarantie?
Sie zahlen den vereinbarten Betrag. Mehr zahlen Sie nur für Arbeiten, die Sie zusätzlich bestellt haben.
Liegt die Rechnung weniger als 15 bis 20 Prozent darüber?
Die Abweichung gilt meist als gering. Sie zahlen, prüfen aber jede Position gegen den Kostenvoranschlag.
Hat der Betrieb Sie vor den Mehrarbeiten gewarnt?
Sie hätten kündigen können. Haben Sie weiterarbeiten lassen, zahlen Sie die Arbeit, die gemacht wurde.
Sie können den Betrag kürzen, den Sie mit einer rechtzeitigen Warnung vermieden hätten. Zahlen Sie den unstrittigen Teil und widersprechen Sie dem Rest schriftlich.
Was Dacharbeiten je Quadratmeter ungefähr kosten
Amtliche Preise je Quadratmeter gibt es nicht, auch die Handwerkskammern und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks nennen keine. Verbraucherportale veröffentlichen Spannen aus Erfahrungswerten, die je nach Region stark schwanken. Sie zeigen die Größenordnung, beweisen aber nicht, ob ein Angebot zu teuer ist.
Sparren sind die schrägen Holzbalken, die das Dach tragen. Eine neue Dacheindeckung kostet nach energie-fachberater.de 50 bis 100 Euro je Quadratmeter. Für die Dämmung reichen die Spannen bei co2online von 30 bis 80 Euro unter den Sparren bis 130 bis 200 Euro auf den Sparren mit neuer Eindeckung. Zwischen den Sparren kostet sie 70 bis 120 Euro, auf dem Flachdach 100 bis 180 Euro.
| Arbeit am Dach | Preis je Quadratmeter | Quelle | Stand |
|---|---|---|---|
| Neue Dacheindeckung | 50 bis 100 Euro | energie-fachberater.de | 23. April 2021 |
| Dämmung zwischen den Sparren | 70 bis 120 Euro | co2online | 3. September 2025 |
| Dämmung unter den Sparren | 30 bis 80 Euro | co2online | 3. September 2025 |
| Dämmung auf den Sparren mit neuer Eindeckung | 130 bis 200 Euro | co2online | 3. September 2025 |
| Dämmung eines Flachdachs | 100 bis 180 Euro | co2online | 3. September 2025 |
Ein Satteldach über 120 Quadratmetern Grundfläche mit 40 Grad Neigung hat rund 157 Quadratmeter Dachfläche. Mit 50 bis 100 Euro je Quadratmeter kostet allein die neue Eindeckung dann 7.850 bis 15.700 Euro. Gerüst, Abriss und Dämmung kommen noch dazu. Wie viel davon Arbeitslohn ist, zeigen erst die Einzelpreise Ihres Angebots.
Warum die Abnahme der wichtigste Termin ist
Die Rechnung wird erst mit der Abnahme fällig. Bei der Abnahme erklären Sie, dass das Dach im Wesentlichen so gebaut ist wie vereinbart. Bis dahin muss der Betrieb beweisen, dass er ordentlich gearbeitet hat. Danach müssen Sie einen Mangel beweisen. Nehmen Sie sich deshalb Zeit und gehen Sie das Dach gemeinsam mit dem Betrieb ab.
Fertigmeldung und Rundgang
Der Betrieb meldet, dass er fertig ist. Sie sehen sich das Dach gemeinsam an und fotografieren es vom Boden, aus dem Dachfenster und vom Gerüst, solange es steht.
Protokoll der Abnahme
Schreiben Sie das Datum und jeden Mangel auf. Halten Sie fest, dass Sie sich Ihre Rechte wegen dieser Mängel vorbehalten. Setzt der Betrieb Ihnen eine Frist zur Abnahme und Sie wollen nicht abnehmen, nennen Sie innerhalb der Frist mindestens einen Mangel. Sonst gilt das Dach als abgenommen, sofern er Sie mit der Aufforderung schriftlich auf diese Folge hingewiesen hat.
Mängel und Geld zurückhalten
Bei Mängeln dürfen Sie einen angemessenen Teil der Rechnung zurückhalten. In der Regel ist das doppelt so viel, wie die Reparatur voraussichtlich kostet.
Rechnung prüfen
Die Schlussrechnung muss zum Angebot passen und den Arbeitslohn getrennt ausweisen. Sonst geht der Steuerbonus von 20 Prozent des Arbeitslohns verloren, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Überweisen Sie den Betrag, denn eine Barzahlung erkennt das Finanzamt dafür nicht an.
Belege aufbewahren
Rechnungen für Arbeiten am Haus müssen Sie zwei Jahre aufbewahren. Für die Gewährleistung sollten Sie fünf Jahre einplanen, für die Bestätigung über die Dämmung zehn.
Für Mängel haftet der Betrieb fünf Jahre ab der Abnahme, weil ein Dach als Bauwerk gilt. Diese Zeit heißt Gewährleistung. Vorgedruckte Vertragsbedingungen des Betriebs dürfen die fünf Jahre nicht verkürzen. Steht im Vertrag trotzdem eine kürzere Frist, etwa mit Verweis auf die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, lassen Sie sich vor der Unterschrift beraten.
Häufige Fragen
Muss ich den Kostenvoranschlag vom Dachdecker bezahlen?
Nein, einen Kostenvoranschlag vom Dachdecker müssen Sie in der Regel nicht bezahlen. Etwas anderes gilt nur, wenn Sie vorher ausdrücklich vereinbart haben, dass er etwas kostet. Eine Klausel im Kleingedruckten, nach der jeder Kostenvoranschlag bezahlt werden muss, hat das Oberlandesgericht Köln 2011 für unwirksam erklärt.
Wie viel darf die Rechnung vom Dachdecker über dem Kostenvoranschlag liegen?
Die Rechnung vom Dachdecker darf den Kostenvoranschlag um etwa 15 bis 20 Prozent übersteigen, ohne dass er Sie vorher warnen muss. Eine feste Grenze im Gesetz gibt es nicht, die Werte stammen aus Urteilen. Die Industrie- und Handelskammer Köln nennt 10 bis 20 Prozent, in Ausnahmefällen 25 Prozent. Warnt der Betrieb bei einer größeren Überschreitung nicht, müssen Sie vermeidbare Mehrkosten nicht tragen.
Kann ich einen Vertrag mit dem Dachdecker widerrufen?
Ja, einen Vertrag mit dem Dachdecker können Sie 14 Tage lang widerrufen, wenn Sie ihn bei sich zu Hause unterschrieben haben, während der Dachdecker dabei war. Hat er Sie nicht über dieses Recht belehrt, verlängert sich die Frist auf höchstens zwölf Monate und 14 Tage. Nehmen Sie sein Angebot erst am nächsten Tag an, besteht nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2023 kein Widerrufsrecht. Dasselbe gilt für dringende Reparaturen, die Sie selbst bestellt haben.
Kann ich die Kosten für den Dachdecker von der Steuer absetzen?
Ja, die Kosten für den Dachdecker senken Ihre Einkommensteuer um 20 Prozent des Arbeitslohns, höchstens um 1.200 Euro im Jahr. Dafür brauchen Sie eine Rechnung, die den Arbeitslohn getrennt ausweist, und eine Überweisung auf das Konto des Betriebs. Für eine Dämmung, die der Staat schon mit einem Zuschuss fördert, gibt es diesen Bonus nicht.
