Warum das Dachgeschoss im Sommer so heiß wird
Kein Teil des Hauses heizt sich im Sommer so stark auf wie das Dach. Dachziegel und Dachsteine werden an sonnigen Tagen bis zu 80 Grad heiß, weit mehr als jede Wand. Diese Hitze wandert langsam durch Dämmung und Verkleidung nach innen.
Wie lange die Hitze dafür braucht, hängt vom Dämmstoff ab. Schwere Dämmstoffe wie Zellulose oder Holzfaser verzögern sie um 10 bis 14 Stunden. Die Mittagshitze kommt dann erst am späten Abend im Raum an. Ob der Raum dadurch spürbar kühler bleibt, ist eine andere Frage, und Messungen zeigen einen kleinen Unterschied.
Auch Lage und Neigung des Dachs spielen mit. Ein flach geneigtes Süddach fängt über den Tag mehr Sonne ein als ein steiles Nord- oder Ostdach, weil die Strahlen dort steiler auftreffen. Kümmern Sie sich deshalb zuerst um die Räume unter den sonnigsten Dachflächen.
Der Dämmstoff macht höchstens 1 Grad Unterschied
Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat 2009 in Holzkirchen zwei gleich gebaute Räume unter einem Dach verglichen. Der eine war mit Glaswolle gedämmt, einer Mineralwolle, der andere mit Holzfaser, beide gleich dick. Gemessen wurde die Temperatur der Raumluft über den ganzen Sommer.
Der größte Unterschied zwischen den beiden Räumen lag bei 1,0 Grad. Im Durchschnitt der Monate Juli bis September waren es nur 0,03 Grad, und das spürt niemand. Zwei weitere Institute in der Schweiz und in München kamen mit Berechnungen auf Unterschiede von 0 bis 1,5 Grad.
Wer ein schon gedämmtes, aber zu heißes Dachgeschoss hat, erreicht mit einem Sonnenschutz außen meist mehr als mit einer dickeren Dämmung. Rollläden, Markisen oder Raffstores halten nach Fachleuten oft mehr Wärme ab als jeder zusätzliche Zentimeter Dämmstoff. Welche Dämmung von außen oder innen Sie wählen, entscheidet deshalb vor allem über Kosten und Heizwärme, kaum über die Sommerhitze.
Sonnenschutz außen kühlt das Dachgeschoss am stärksten
Ein Sonnenschutz außen fängt die Sonne ab, bevor sie auf die Scheibe trifft. Eine Jalousie oder ein Vorhang innen wirkt erst, wenn die Wärme schon durch das Glas im Raum ist. Deshalb ist der Schutz innen deutlich schwächer. Energieberater nennen den Sonnenschutz außen den mit Abstand größten Hebel gegen Hitze unter dem Dach.
- Beim Raffstore oder bei der Außenjalousie lassen sich die Lamellen vor dem Fenster nach dem Sonnenstand drehen.
- Der Rollladen hält Sonne und Licht vollständig ab, der Raum wird dabei dunkel.
- Die Markise spannt sich außen vor oder über das Fenster.
- Eine Jalousie oder ein Vorhang innen wirkt deutlich schwächer, weil die Wärme schon im Raum ist.
Im Vergleich der Maßnahmen liegt der Sonnenschutz außen vorn. Die Wahl des Dämmstoffs macht dagegen rund 1 Grad aus.
| Maßnahme | Wo sie wirkt | Wirkung nach den Quellen |
|---|---|---|
| Sonnenschutz außen | vor dem Fenster, bevor die Sonne durch das Glas kommt | größte Wirkung, nach Energieberatern der stärkste Hebel |
| Sonnenschutz innen | hinter der Scheibe, die Wärme ist schon im Raum | deutlich schwächer als Sonnenschutz außen |
| Schwere Baustoffe und Lüften in der Nacht | in Wänden und Böden, die Wärme puffern und nachts abgeben | wirksam, wenn die Nächte kühl genug sind |
| Anderer Dämmstoff, Mineralwolle oder Holzfaser | in der Dämmschicht | rund 1 Grad Unterschied laut Messung von 2009 |
Nachts lüften und schwere Baustoffe einbauen
Schwere Baustoffe wie Lehm, Beton oder Estrich nehmen Wärme auf und geben sie erst später wieder ab. Tagsüber puffern sie so die Hitzespitzen. Nachts müssen sie die Wärme wieder loswerden, sonst sind sie am nächsten Tag schon voll.
Dafür sorgt das Lüften über Kreuz in der Nacht und am frühen Morgen, solange die Luft draußen kühler ist als drinnen. Tagsüber bleiben Fenster und Sonnenschutz dann geschlossen.
Beim Ausbau des Dachgeschosses können Sie gezielt schwere Baustoffe einplanen. Geeignet sind etwa Lehmbauplatten unter der Verkleidung oder ein massiver Estrich statt eines leichten Trockenbodens. Sie verzögern, wann die Tageshitze als warme Raumluft spürbar wird.
Wann ein Nachweis gegen Sommerhitze Pflicht ist
Für Ihr bestehendes Dachgeschoss verlangt das Gesetz keinen Nachweis gegen Sommerhitze. Pflicht ist eine Berechnung bei einem Neubau und nach Angaben einer Energieberatung auch bei Anbauten über 50 Quadratmeter Nutzfläche. Ein Fachplaner weist dann nach, dass nicht zu viel Sonne durch die Fenster kommt.
Die Rechnung entfällt, wenn die Fenster im Verhältnis zur Grundfläche des Raums klein bleiben. Bei Dachflächenfenstern liegt diese Grenze bei 7 Prozent der Grundfläche, bei Fenstern nach Norden bei 15 Prozent und bei anderen Richtungen bei 10 Prozent. Die Bauordnungen vieler Bundesländer verlangen für Wohnräume aber ohnehin ein Achtel der Grundfläche als Fenster, also 12,5 Prozent. Deshalb ist die Rechnung bei Dachfenstern häufiger Pflicht, als die Grenzen vermuten lassen.
Bauen Sie neu oder um mehr als 50 Quadratmeter an?
Sind die Dachfenster größer als 7 Prozent der Grundfläche?
Ja. Ein Fachplaner muss nachweisen, dass der Raum im Sommer nicht zu heiß wird.
Nein, solange keine strengere Vorschrift Ihres Bundeslandes größere Fenster verlangt.
Nein. Sonnenschutz und Lüften bleiben trotzdem sinnvoll.
6 Schritte gegen Hitze im Dachgeschoss
Die Reihenfolge beginnt mit dem, was am meisten bringt und am wenigsten kostet.
- Bringen Sie einen Sonnenschutz außen an den Dachfenstern an. Raffstore oder Außenjalousien wirken am stärksten, weil sie die Sonne vor der Scheibe abfangen.
- Lüften Sie nachts und in den frühen Morgenstunden über Kreuz, solange die Luft draußen kühler ist. So geben Wände und Möbel die gespeicherte Wärme ab.
- Schließen Sie tagsüber Fenster und Sonnenschutz, sobald es draußen wärmer ist als drinnen.
- Planen Sie beim Innenausbau schwere Baustoffe ein, etwa Lehmbauplatten unter der Verkleidung.
- Dämmen Sie das Dach so, wie das Gesetz es verlangt. Das senkt vor allem im Winter die Heizkosten, gegen Sommerhitze hilft es nur wenig.
- Lassen Sie bei einer neuen Dämmung die Dampfbremse sorgfältig verkleben. Durch undichte Stellen kommt im Sommer warme Luft herein, so wie im Winter Wärme entweicht.
Wer neu baut oder ohnehin saniert, plant den Sonnenschutz am besten gleich mit ein. Ein nachträglich montierter Raffstore an fertig verkleideten Dachfenstern ist spürbar aufwendiger.
Häufige Fragen
Warum wird das Dachgeschoss im Sommer heißer als andere Räume?
Das Dachgeschoss wird im Sommer heißer, weil es direkt unter den Dachziegeln liegt, die bis zu 80 Grad heiß werden. Diese Wärme wandert über Stunden durch das Dach nach innen. Die Räume darunter liegen hinter Mauerwerk und Geschossdecken, die sie besser vor der Sonne schützen.
Hilft ein anderer Dämmstoff gegen Hitze im Dachgeschoss?
Nein, ein anderer Dämmstoff senkt die Hitze im Dachgeschoss kaum. Eine Messung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik fand zwischen Mineralwolle und Holzfaser höchstens 1 Grad Unterschied in der Raumluft. Sonnenschutz außen und Lüften in der Nacht wirken deutlich stärker.
Welcher Sonnenschutz hilft am besten gegen Hitze im Dachgeschoss?
Ein Sonnenschutz außen hilft am besten gegen Hitze im Dachgeschoss, etwa Raffstore, Rollladen oder Markise. Er fängt die Sonne ab, bevor sie durch die Scheibe kommt. Jalousien oder Vorhänge innen wirken deutlich schwächer, weil die Wärme dann schon im Raum ist.
Muss ich für mein Dachgeschoss einen Nachweis gegen Sommerhitze vorlegen?
Nein, für ein bestehendes Dachgeschoss brauchen Sie keinen Nachweis gegen Sommerhitze. Pflicht ist die Rechnung bei einem Neubau und nach Angaben einer Energieberatung bei Anbauten über 50 Quadratmeter. Sie entfällt, wenn die Fenster klein sind, bei Dachflächenfenstern bis 7 Prozent der Grundfläche.
Was bringt nächtliches Lüften gegen Hitze im Dachgeschoss?
Nächtliches Lüften kühlt das Dachgeschoss, weil Wände, Böden und Möbel die tagsüber gespeicherte Wärme wieder abgeben. Das klappt, solange die Luft draußen kühler ist als drinnen. Am besten wirkt es zusammen mit einem Sonnenschutz, der tagsüber geschlossen bleibt.
Wird ein Dachgeschoss unter einem dunklen Dach heißer?
Ja, ein dunkles Dach nimmt mehr Sonne auf als ein helles und heizt sich stärker auf. Energieberater nennen ausgebaute Dachgeschosse unter dunklen Dächern als typische Hitzefallen. Genaue Temperaturvergleiche zwischen hellen und dunklen Dächern in Deutschland fanden sich in den ausgewerteten Quellen nicht.
